Einleitung

Nachdem die Zahl der Studierenden in der Bundesrepublik Mitte der 90er Jahre ihren historischen Höchststand erreichte, war sie seitdem wieder rückläufig.

Dabei hat sich auch die soziale Zusammensetzung der Studierendenschaft erheblich verändert: In den vergangenen zwanzig Jahren stieg die Zahl der Studierenden hoher sozialer Herkunft auf über das Doppelte, während die Anzahl der Studierenden aus bildungsfernen Schichten sich halbierte. Die 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks zeigt sogar, dass die Chancen für Kinder aus bildungsfernen Familien auf ein Studium immer geringer werden. Tatsächlich gehen heute so viele junge Menschen wie nie zuvor mit einem Abitur von der Schule ab. Auf die Studierendenzahlen hat das aber weitgehend keinen Einfluss; die Aufnahme eines Studiums stellt eine erhebliche Hürde dar.

Viele schreckt ein Studium ab. Von der großen Zahl derer, die sich gegen ein Studium entschließen, geben laut einer Umfrage zwei Drittel an, sich ein Studium mit Gebühren nicht leisten zu können. Ähnlich sind die Aussagen über erwartete Schulden aus BAföG und Krediten. Ist das Studium überhaupt noch zu finanzieren?

Das BAföG kommt jedenfalls schon seit Jahren dem realen Finanzbedarf nicht mehr nach. Es sieht gerade mal 366 € als monatlichen Grundbedarf vor. Dabei wurde bereits vor Jahren ein tatsächlicher studentischer Bedarf von rund 790 € berechnet. Nicht nur Lebensmittel wurden in den vergangen Jahren immer teurer, sondern auch Wohnraum etc. In nur drei Jahren stiegen die Mieten in Wohnheimen um über 10 %. Und dabei bekommen über zwei Drittel aller Studierenden so wie so kein BAföG und müssen sich ihr Studium selbst finanzieren. Zu dieser ohnehin prekären Situation bescherten Bundes- und Landesregierungen uns noch weitere Verschlechterungen: Abschaffung des Erziehungsgeldes und nicht zuletzt die Einführung von Studiengebühren.

Kurzum: Die Uni steuert deutlich darauf zu, dass das Studium (wieder) ein Privileg der einkommensstarken Schichten wird. Die in den 70er Jahren erreichte soziale Öffnung wird revidiert, die Sozialsysteme werden abgebaut. Die Studierenden werden mit ihren Problemen allein gelassen. In der Sprache der herrschenden PolitikerInnen nennt sich das dann „Eigenverantwortung“. Ein Armutszeugnis. Die Einführung des Bachelor-Master-Systems in Deutschland hat diese Situation eher noch verschärft: Das Studium ist strikter geplant und lässt weniger Raum für den Nebenerwerb, aber auch für soziales oder anderweitiges Engagement.

Wie also durchkämpfen durch diesen unmenschlichen Dschungel? Mit diesem Sozialinfo wollen wir eine bestmögliche Hilfestellung geben. Es mag vielleicht nicht jedes Problem auf Anhieb lösen, soll aber zumindest als Orientierungshilfe in diesem Dickicht fungieren.

sozialinfo/einleitung.txt · Zuletzt geändert: 01.07.2011 09:22 von tmb