"Das letzte Aufgebot" wurde am 08. Januar 1998
gegründet in dem Bewusstsein, dass an der Uni Karlsruhe zu der
Zeit keine politische Hochschulgruppe existierte, die nicht Ableger einer
Partei ist oder mit einem Parteiableger eine Wahlliste gebildet hatte.
Wir sind der Meinung, dass sich Hochschulpolitik über
parteipolitische Schranken hinwegsetzen sollte und Sachfragen im Mittelpunkt
stehen müssen.
Nach dem Motto "Wenn Euch nicht passt, was die anderen tun, dann macht's doch selbst" wollten wir mit dieser Gründung ein Signal setzen, dass wir der allgemeinen Politikverdrossenheit unter den Studierenden sowie der allgemeingesellschaftlichen Entpolitisierung entgegentreten. Wir verstehen uns als Sammelbecken für all jene, die sich parteiungebunden hochschulpolitisch engagieren wollen.
Zur Studierendenparlamentswahl 2000 treten wir mit folgenden Grundsatzpositionen an:
Die Lage der Hochschulen lässt sich nicht betrachten ohne gleichzeitzig die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu erkennen und zu verstehen. Reine Hochschulpolitik ohne den Blick für die allgemeine Politik ist inhaltsleer und sinnverfehlt. Die Studierenden stehen dem Staat gegenüber vielmehr in der Pflicht, sich politisch zu äußern. Deshalb treten wir entschieden für die Einführung einer Verfassten Studierendenschaft mit politischem Mandat ein. Bis dieses Ziel erreicht ist, unterstützen wir das unabhängige Modell.
Fast nirgends in Deutschland ist das Mitbestimmungsrecht der Studierenden an der Universität so gering wie in Baden-Württemberg. Dem muss entgegengewirkt werden. Die Studierenden sind sehr wohl in der Lage, universitäre Sachverhalte richtig einzuschätzen und wissen von der Lehre meist mehr als die Professorenschaft. Ein gutes, fruchtbares Miteinander von Lehrenden und Lernenden an der Uni kann nur durch eine stärkere studentische Mitsprache wirklich gelingen.
Die Öffentlichkeit tendiert dazu, Bildung nur noch soweit zu tolerieren, wie sie unmittelbar der heutigen Wirtschaft als Arbeitskraft dient. Verquererweise wird gleichzeitig zurecht beklagt, dass von unserem Land keine zukunftsweisenden Innovationen mehr ausgehen.
Bildung ist Zukunftssicherung. Sie muss als Allgemeingut betrachtet werden und frei zugänglich sein. Studiengebühren lehnen wir aus diesem Grund ab. Wir befürchten, dass bald die Allgemeinheit Hochschulen finanzieren wird, an der nur noch Wohlhabende studieren können. Schon heute schrecken viele aufgrund Ihrer finanziellen Situation vor einem Studium zurück. Diese Entwicklung gilt es zu bekämpfen und nicht durch Studiengebühren zu fördern.
Über die Fähigkeit zum Studium darf nur die Begabung entscheiden, keinesfalls die finanzielle Situation der Eltern. Deshalb fordern wir eine vernünftige BAföG-Regelung.
Der Grund für die Leistungskürzungen des Studentenwerks liegen in den massiven Mittelkürzungen und vagen Finanzzusagen der Landesregierung. Auf das hiesige Studentenwerk zu schimpfen, bringt daher wenig. Wir setzen weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit dem StuWe, um die Auswirkungen in Karlsruhe abzufedern und gegen die Ursachen vorzugehen, damit die Mensa leistungsfähig und bleibt und Einrichtungen wie die Psychotherapeutische Beratungsstelle kostenlos weitergeführt werden können.
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein rohstoffarmes Land, dass internationales Ansehen traditionell durch künstlerisch-philosophische ("Land der Dichter und Denker") und ingenieurwissenschaftliche ("Made in Germany") Leistungen erlangte. Diese Leistungen setzen ein hohes Maß an - auch interdisziplinärer - Bildung voraus.
Deshalb sind wir für eine Ausweitung der Interdisziplinarität in den einzelnen Studiengängen, größere Zusammenarbeit und Abbau der bürokratischen Hemmnisse zwischen den Fakultäten und den Erhalt und Ausbau der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften und des Sprachenzentrums. Sprachkurse müssen weiterhin kostenfrei angeboten werden.
Natürlich kann an der Uni immer vieles verbessert werden. In diesen Forderungen sind sich eigentlich alle Gruppen einig.
Wirklich unabhängige Vertretung studentischer Interessen endet oft dort, wo es Opposition gegen die eigenen ParteifreundInnen erfordern würde. Deshalb braucht es dringend parteipolitisch ungebundene Gruppierungen in der Studierendenvertretung, um diese Lähmung zu vermeiden.
Wir wollen Hochschulpolitik als Sachpolitik betreiben, unabhängig von parteipolitischen Strukturen, unabhängig von ideologischen Verkrustungen. Wir wollen mit überlegtem Handeln dem Eindruck entgegentreten, Hochschulpolitik würde nur von vermeintlich ideologisch Verblendeten mit extremistischen Tendenzen betrieben.
Ein florierendes Leben auf dem Uni-Campus hängt davon ab, dass sich viele Studierende ehrenamtlich engagieren, sei es im kulturellen, sportlichen oder politischen Bereich. Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass denjenigen daraus kein Nachteil erwachsen darf. Universitäres Engament darf nicht durch die Strafstudiengebühren erstickt werden.
Wir sind eine kleine Liste, aber das hindert nicht daran, zu erkennen, wo gerade jemand gebraucht wird. Vielleicht schwingen wir nicht die ganz großen Reden und haben nicht die großen Illusionen zu bringen, aber wir setzen dort an, wo Arbeit im Sinne der Studierenden zu tun ist. So kam es, dass wir als kleinste der im StuPa vertretenen Listen (2 Sitze) die größte UStA-Beteiligung (3 Referate) stellen.
Für die kommende Legislaturperiode streben wir erneut eine Zusammenarbeit mit den anderen linken Hochschulgruppen an.