UStA-Sozialinfo 2002

Wohnen

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Wohnungssuche in Karlsruhe

Wohnen ist so ziemlich das einzige, was wir wirklich jeden Tag tun. Es ist eines der zentralen Themen im Studium, denn viel hängt gerade beim Lernen davon ab, wie man wohnt. Die Einflüsse des Wohnraums auf das persönliche Leistungsvermögen und Wohlbefinden sollte man nicht unterschätzen. Außerdem: wer in seinem Studium nicht mindestens zweimal umgezogen ist, ist irgendwie kein "richtiger Student" oder keine "richtige Studentin".

In Karlsruhe ist der Wohnungsmarkt derzeit sehr angespannt. Die Zahl der Studierenden steigt wieder, nachdem sie auf knapp über 13000 gesunken war. Das heißt, die Mieten werden tendenziell steigen und da auch im nächsten Wintersemester die Studierendenzahlen erneut zunehmen werden und der Raum Karlsruhe zudem sowieso sehr viele Zuzüge zu verzeichnen hat, kann dies vielleicht auch 2002 wieder Notquartiere für einige Erstsemester bedeuten. Deshalb ist es dringend notwendig, sich rechtzeitig um Wohnraum zu bemühen. Aufgrund dieser Entwicklung werden auch Wohnungen in den Vororten (Neureut, Ettlingen, Rheinstetten etc.) leider wieder zu einer Alternative.

WG-Gründung

In einer Wohngemeinschaft (WG) unterzukommen sollte kein größeres Problem sein, selbst äußerst seltsame, lichtscheue Leute finden sicherlich eine WG mit genauso äußerst seltsamen, lichtscheuen Mitbewohnern (diese WGs haben auch meist die besten Computer-Netzwerke). Generell ist die WG für viele nicht nur eine preiswerte Alternative, um an eine richtige Küche zu kommen, sondern auch die Chance, sich auf Andere einlassen zu müssen und ein Stück Leben zu teilen. In der WG sieht man dann auch mal andere Leute als im Studium und kann über anderes reden als über die speziellen Probleme im Stahlbau. Außerdem hat man immer eine nette Geschichte aus dem täglichen Zusammenleben bereit, die man bei Parties zum Besten geben kann.

Wohngemeinschaften

Eine WG zu gründen kann dagegen ein schwieriges Unterfangen werden. Viele Vermieter wollen halt immer noch lieber eine Familie mit älteren Kindern oder Rentner-Ehepaare in ihren Wohnungen sehen, obwohl die Ressentiments gegen WGs zunehmend schwinden. Auf jeden Fall sollte man für die Suche ruhig ein paar Monate einkalkulieren und jede Menge Motivation mitbringen, denn zu sehen, wie eine schöne Wohnung nach der anderen nicht an dich vergeben wird, kann sehr an den Nerven zehren. Fingerspitzengefühl ist im Umgang mit den Vermietenden gefragt. Man muss lernen, schnell zu erkennen, ob sie lieber eine eingespielte WG oder WG-Anfänger haben wollen, ob es schlau ist, die zukünftige Mitbewohnerin als Freundin auszugeben oder nicht, ob man lieber ein älteres Semester oder Neueinsteiger ist etc. Die Ansichten der Vermieter, was ihrer Wohnung gut tut, sind da erstaunlicherweise oft sehr verschieden, aber das einzuschätzen lernt man auch.

Wohnheime

Was für WGs gilt, gilt natürlich meist auch für Wohnheime. In Karlsruhe gibt es im Vergleich zu anderen Städten nicht allzu viele Wohnheimplätze. Bei Wohnheimen gibt es noch die ganze Palette, von der 4er-WG mit moderner Nasszelle bis hin zum 20-Leute-Flur mit Wasserloch in der Wand ist alles da. In Wohnheimen gibt es meist nette Bars und eigentlich ständig irgendeine Party, was sehr nett, für "charakterschwache" Leute aber auch sehr gefährlich sein kann. Ein Großteil der Wohnheime wird vom Studentenwerk betrieben, Anmeldeanträge dazu gibt es im Studentenhaus neben der Mensa. Dazu gibt es noch eine Reihe privater Träger. Besonders zu erwähnen ist das HaDiKo, das unter studentischer Selbstverwaltung steht.

Ein Großteil der Wohnheime wird vom Studentenwerk betrieben. Eine Liste der Wohnheime des Studentenwerkes gibt es unter Studentenwerk. Anmeldeanträge dazu gibt es im Studentenhaus neben der Mensa.

Dazu gibt es noch eine Reihe privater Träger. Besonders zu erwähnen ist der Wohnheim e.V., dessen Wohnheime unter studentischer Selbstverwaltung stehen. Ebenfalls zu erwähnen bleiben die Wohnheime kirchlicher und sonstiger Träger. Eine Liste aller Karlsruher Wohnheime findet ihr auf den Seiten des zib.

Hausbesetzung / Wagenburg

Seit die sagenumwobene "Steffi", das ehemals besetzte Haus in der Stefanienstraße, 1997 geräumt (und dann immerhin 1999 auch abgerissen) wurde und deren BewohnerInnen in die Schwarzwaldstraße hinter dem Bahnhof umgezogen sind, ist besetzter Wohnraum in Karlsruhe endgültig Geschichte. Die Ex-Steffi lohnt zwar immer noch als Anlaufstelle für gute und billige Punk-Konzerte, eine Wohn-Alternative ist das Haus aber nicht wirklich.

Die Wohnmöglichkeit "Wagenburg" kann man in Karlsruhe auch getrost abschreiben. Sonstiges Einigen Informatikern in Karlsruhe sagt man nach, dass sie im Rechenzentrum wohnen, und manchmal sieht man dort auch nächtens ein paar finstere, bärtige Gestalten durch die Keller huschen. Das RZ weigert sich aber bis heute, das zu bestätigen und steht Anfragen auf Asyl äußerst kritisch gegenüber.

Anachronistisches Wohnen

In vielen Unistädten ist die Wohnungslage derart verheerend, dass einige männliche Studierende aus purer Verzweiflung vorübergehend in das Haus einer Studentenverbindung ziehen. In Karlsruhe sieht die Wohnungssituation momentan leider auch nicht allzu gut aus. Aufpassen muss man nur, dass man nicht auf die Verbindungen hereinfällt, die Wohnungsangebote aushängen, ohne sich als Korporation zu erkennen zu geben, und dann nichts ahnend in ein Verbindungshaus läuft und Anwerbeversuche über sich ergehen lassen muss, weil man zu höflich ist, die Burschen einfach rechts liegen zu lassen. Falls man doch in bei einer Verbindung einziehen möchte, sollte man sich diese vorher genau anschauen. Sinn und Zweck von Verbindungen ist meist nicht nur das gemeinsame Wohnen. Vielmehr wird die Mitgliedschaft in der Verbindung als Lebensbund gesehen. Alle Mitglieder haben Rechte/Privilegien (wie z.B. günstiges Wohnen), aber auch Pflichten wie z.B. Anwesenheitspflicht bei Veranstaltungen, Zahlung eines reg. Beitrages als 'alter Herr' an die Verbindung bei Berufsanfang sowie bei manchen Verbindungen das Schlagen von Pflichtmensuren.

Wohnungsangebote

"Schwarze Bretter"
Zunächst mal gibt es etliche "Schwarze Bretter" auf dem Uni- Campus, Zimmerangebote für WGs hängen meist an den Bäumen zwischen AKK und Mensa, in der Bibliothek, vor dem Studi-Sekretariat, vor dem UStA im Mensafoyer oder an diversen Fakultätsbrettern. Auch an die FH und die PH lohnt sich natürlich ein Blick. Im Studentenhaus gibt es den Schaukasten der Zimmervermittlung des Studentenwerks, wo sowohl Wohnungen als auch Einzel- und WG-Zimmer aushängen. Die Angebote sind gut gepflegt und quasi immer aktuell.

www-Wohnungsmarkt der Uni Karlsruhe
Die Uni-Karlsruhe betreibt im Netz ein 'schwarzes Brett' für Wohnungsangebote. Ihr findet diese Angebote unter www.uni-karlsruhe.de/cgi-bin/market/select/wohnung

Zeitungen
An Zeitungen empfiehlt sich vor allem der "Sperrmüll", der donnerstags herauskommt. Anzeigen dort kosten nichts, deshalb ist der Wohnungsmarkt dort auch sehr studierendenfreundlich. Inserate aufgeben kann man am Besten per Internet unter www.sperrmuell.de. Die Anzeigen im "Karlsruher Anzeiger" sind meist eine Teilmenge der Sperrmüll-Angebote, der Kauf lohnt selten. Die Wohnungsanzeigen in den "Badischen Neuesten Nachrichten" (BNN), dem Karlsruher Provinzblatt, bringen auch meist weniger. Dort kosten die Anzeigen Geld, ergo wird eher auf gesetzteres Publikum geschielt und oftmals werden Maklergebühren fällig. Außerdem taugt die Zeitung an sich bestenfalls zum Broteinwickeln (provinziale Hausmannskost). Höchstens selbst inserieren kann vielleicht lohnen, wird aber von Wenigen gemacht.

Selbsthilfeverein Wohnungssuchender
Der Sebsthilfeverein Wohnungssuchender in der Gerwigstrasse 17 führt eine eigene Kartei mit Wohnungsangeboten. Zugriff haben leider nur Mitglieder. Der Mitgliedsbeitrag beträgt ca. 50-70€. Die Mitgliedschaft endet mit der erfolgreichen Vermittlung einer Wohnung.

Hier erst einmal ein paar grundsätzliche Tipps zur Zimmersuche:

  1. Schließe keine überhasteten Mietverträge ab. Du musst das Recht haben, den Mietvertrag in Ruhe zu prüfen, d.h. bis zum Unterschreiben solltest Du mindestens einen Tag Zeit haben. Ansonsten ist abzusehen, dass Deine Rechte als Mieter und Mieterin nicht gesichert sind. Nimm Dir dann lieber eine andere Wohnung.
  2. Wenn Du den Mietvertrag unterschreibst, achte darauf, dass Sachen, die zum Inventar gehören und kaputt sind, in den Mietvertrag eingetragen werden. Fallen Dir dann später weitere Sachen auf, gib diese Deinem Vermieter oder Deiner Vermieterin schriftlich und behalte selber einen Durchschlag. Am besten ist es, wenn Du Dir den Empfang bestätigen lässt. Auch könnt Ihr die Miete wegen Mängel der Wohnung mindern.
  3. Du solltest von der Person, die Dir Deine Wohnung vermietet, eine Adresse und Telefonnummer haben - lass Dich nicht mit einem Postfach abspeisen!!!
  4. Eine Mietkaution kann nur verlangt werden, wenn sie zwischen den Mietvertragsparteien vereinbart worden ist. Höhe, Fälligkeit, Verzinsung und Anlage regelt das Gesetz. Die Kaution darf drei Monatskaltmieten nicht übersteigen. Gesondert abzurechnende Nebenkosten bleiben dabei unberücksichtigt. Die Kaution darf in drei gleichen Raten gezahlt werden. Die erste Rate ist bei Mietbeginn zu zahlen. Die Kaution muss auf ein Sonderkonto mit dem Zinssatz angelegt werden, der für Spareinlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist üblich ist. Die Zinsen werden der Kaution zugeschlagen. Für Zimmer in Studierendenwohnheimen besteht jedoch keine Verzinsungspflicht. Die Kaution kann erst im Ablauf einer angemessen Überprüfungsfrist nach Beendigung des Mietverhältnisses verlangt werden. Die Höchstfrist beträgt aber 6 Monate. Wichtig ist daher, dass Ihr Euch beim Auszug die ordnungsgemäße Übergabe der Wohnung / des Zimmers schriftlich (!) vom Vermieter bestätigen lasst.
  5. Mieterhöhung: die Miete darf nicht nach Lust und Laune erhöht werden! Mieterhöhungserklärungen müssen schriftlich erfolgen. Die Miete darf erst 1 Jahr nach dem Einzug verändert werden, zwischen zwei Mieterhöhungen muss mindestens 1 Jahr liegen.
  6. Beendigung des Mietverhältnisses: bei Hausverkauf gilt: "Kauf bricht Miete nicht!", d.h. der Mietvertrag gilt weiter.